Selbstversuch eines “beglückenden” nächtlichen Online-Votings – quasi eine “Selbstanzeige”
Beim Online Voting zu Österreichs Superpraktikant kam es offensichtlich zu exzessiven Massenvotings die durch zeitweise höchst unrealistische Stimmenzuwächse bemerkbar sind. Eine Auswertung von Markus Ladstätter brachte dann vor kurzem auch den grafischen Nachweis: den Abstimmungsverlauf der Erstplazierten.1
Es wurden aber keine Konsequenzen gesetzt, sondern offensichtlich wird bis zum Schluss so weitergemacht, wie bisher.
In der Nacht von gestern auf heute versuchte ich daher, einen weiteren Beweis zu liefern, wie ungeeignet so ein Voting-System ist und wie sehr es zum Missbrauch einlädt. Die Stimmabgabe erfolgt anonym und das Verifikationssystem – nur eine Stimme täglich zuzulassen – ist eben leicht zu umgehen.
Ich suchte daher zuerst ein “Opfer”, eine/n Superpraktikant- Bewerber/in, welche/r vermutlich angesichts der Spitzenreiter mit über 20.0000 Votings schon längst aufgegeben haben.
Über Facebook schaltete ich gestern abend folgende Notiz:
Lotto “6 aus 45″ bitte rasch beteiligen
Ich bin auf der Suche nach einem zufällig ausgewählten “Opfer” für einen experimentellen Nachweis und brauche dazu eine beliebige zweistellige Zahl zwischen 55 und 99. Schreibt sie bitte einfach in den Kommentar, nur ein “Voting” je Person ist erlaubt. Ich habe noch mit absolut Niemandem darüber gesprochen, worum es geht, Verwandte sind aber trotzdem nicht zur Teilnahme berechtigt, ich brauche ja eine Zufallszahl und möchte jeglichen Verdacht einer möglichen Schiebung ausschliessen.
Aus den ersten sechs genannten Zahlen werde ich den Mittelwert bilden (abgerundet auf Ganzzahl) und diese Zahl ergibt dann unmittelbar danach das von euch ausersehene “Opfer”. Wenn ich die Zahl habe, lüfte ich das Geheimnis.
Nachtrag ca. 02:00 Uhr, am 11.1.2010:
Danke für’s Mitmachen! Es hat dann doch etwas gedauert, jetzt sind die Zahlen komplett. Also, die aktuelle Ziehung von “Lotto 6 aus 45″ lautet: 79+64+58+88+77+64 … das ergibt somit 430 / 6 = 71,67 also:
Die Glückszahl lautet somit (laut Spielregel) “71″
Und so lautet das Experiment: Ich versuche, den SuperpraktikantInnen- Bewerber, welcher derzeit auf Platz 71 positioniert ist, das ist “Felix Schotter” und er hat bisher (2:00 Uhr) 76 Stimmen erhalten, ich werde ihm jetzt zur Verdoppelung innerhalb kurzer Zeit verhelfen und ihn, so meine Absicht, um etwa 15 Plätze nach vorne auf Platz 56 zu katapultieren.
Ich weiß, ich verwende eine unfaire Methode, werde dazu aber nur etwa eine Stunde Zeit aufwenden. Ich habe jemand zufällig (aber geziehlt aus dem hinteren Feld) aussuchen lassen, weil damit keine Gefahr besteht, das Endergebnis (ersten Fünf) auch nur annähernd zu beeinflussen. Ich kenne den “Glücklichen” nicht und es ist auch nichts mit ihm abgesprochen, er weiß noch nichts davon. Ich hoffe er verzeiht mir die unverhoffte Glückssträhne von heute Nacht.
Mein Vorhaben habe ich gefasst, noch bevor ich heute bei Superpraktikant davon las: “ACHTUNG: Votings werden verstärkt kontrolliert, v.a. nach Protesten gegen Anna Susanna Roth, Resul Recper und Julia Holzer.“
Dann schauen wir mal, wie gut die Kontrolle denn jetzt tatsächlich ist. Diese erst in den letzten fünf Tagen des Votings einzuführen, ist ja genau so ein Nonsens, wie dieses Voting-System überhaupt.
Nachtrag ca. 03:55 Uhr, am 11.1.2010:
Seit ca. 3:30 Uhr ist der Server http://www.superpraktikant.at/ nicht mehr erreichbar. vermutlich ist er unter der Last zusammengebrochen. nicht aber wegen meiner 34 Votings in den letzten 1,5 Stunden, sondern vermutlich wegen anderer hunderter gefakter Votings für die Spitzenreiter in diesem Zeitraum. Der Server reagierte nämlich extrem langsam, sodass ich bisher nicht schon wie geplant eine Verdoppelung der Stimmen erzielen konnte, sondern nur eine Erhöhung um 45 % auf 110 Stimmen.
Seit ca. 03:50 Uhr ist Der Server wieder erreichbar, das Voting geht gleich weiter.
Nachtrag ca. 04:50 Uhr, am 11.1.2010
Einige Votings machte ich dann noch, weil aber der Server sehr lange Antwortzeiten hatte, freute es mich nicht mehr länger. Um 04:10 Uhr, also innerhalb 2 Stunden hatte ich den “Auserwählten” (ohne seines Wissens) mit 38 Stimmen “beschenkt”, die Votings von 76 Stimmen auf 114 erhöht und somit die Position um 5o % [Stimmenerhöhung, Anm.] von Platz 71 auf Platz 62 verbessert.
Wenn ich mich mehr beeilt hätte und der Sever nicht so langsam gewesen wäre, hätte ich mein ursprüngliches Ziel von 76 Clicks vermutlich in eineinhalb Stunden schaffen können.
Die seit gestern abend laut Homepage und Twitter-Meldung angeblich eingeführten Kontrollen gegen das offensichtlich unfaire Massenvoten der Erstpazierten können wohl nicht sehr ausgeklügelt sein. Bei der derzeitigen Verifikationsmethode ist eine Trickserei gar nicht abzustellen.
Hier die Screenshots:
1. Screenshot 2010-01-11 02-08 Uhr Felix Schotter auf Platz 71 mit 76 Votings
2. Screenshot 2010-01-11 03-15 Uhr Felix Schotter auf Platz 66 mit 100 Votings
3. Screenshot 2010-01-11 04-10 Uhr Felix Schotter auf Platz 62 mit 114 Votings
- Nachtrag nach Abschluss des Votings: Hier der endgültige Abstimmungsverlauf – Treppenabsätze & Steilflanken bei mindestens vier der “Glorreichen Sieben”! ↩
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@Svejk (Gerhard W. Loub) hat gestern mittag zur Causa getwittert:
Meine Antwort: Dann bin ich “witziger Scherzbold” ja mal sehr gespannt, wie man – wer und in welchem Zeitraum – im Nachhinein unter einer viertel Million Votings, welche jedes alle technischen Kriterien erfüllte, aussortieren möchte: welche die “Guten” und welche die “Schlechten” Clicks waren?
Meine Antwort: Ich wollte auch mit Sicherheit keinen Einfluss auf das Ergebnis nehmen. Ich glaube, das geht eindeutig aus der beschriebenen “Versuchsanordnung” hervor.
Meine Antwort: Das habe ich unten schon beantwortet: ich hätte sicher auch das 4- bis 6-fache machen können. Aber selbst mit diesem Schnitt (es waren 38 Votes in ca. eineinhalb Stunden) sind hochgerechnet 608 Votes in 24 Stunden. Das sind bei 35 Tagen des Votings über 20.000 Votings zusätzlich zu eventuellen realen Stimmen und unter Einbeziehung einer Mehrtäter-Theorie, könnte das das Ergebnis doch wohl “beeinflussen”. Oder anders ausgedrückt, in diesem Experiment habe ich mir “scherzhafter Weise” ein vielhundertfaches “Stimmrecht” eingeräumt.
Ergänzungen 12.01.10 08:45 Uhr
ad 1.: Laut Prozedere steht dafür nicht viel Zeit zur Verfügung, denn “… Am 15. Jänner um Punkt 23:59 Uhr schließt das „elektronische Wahllokal“. Kurze Zeit später steht das Wahlergebnis fest und es wird bekannt gegeben.”
ad 2. und 3.: Wenn ich mir den aktuellen Highscore ansehe, könnte ein einzelner fleissiger Tipper auch noch in den verbleibenden drei Tagen (sogar noch in den letzten Stunden des Votings) das Ranking unter den “glorreichen Sieben” mit wenigen hundert Extratipps entscheidend beeinflussen. Ich prognostiziere, dass wir an massiven Bewegungen in einer hektischen Schlussphase erleben werden, wie da vermutlich nur wenige “reale” Votings am Werk sind (wobei ich daran natürlich nicht beteiligt bin).
Also ich habe mal testhalber versucht mit einem Programm das die Ip versteckt zweimal zu voten und es hat funktioniert. Wenn man also ein solch ein Programm so einstellt das man die Ip Adresse automatisch nach kurzen Zeitabständen geändert wird bzw.. so einstellt das man sie schnell per Mausklick ändern kann dürfte es ziemlich schnell gehen die votes hochzutreiben. Ich wollte dafür jedoch keine Zeit investieren (-:
Eigentlich ist mir diese Aktion ja ziemlich egal und finde sie auch irgendwie bescheuert und wertlos. Wenn Martin Harbacher nicht mitmachen würde wär mir das alles echt egal. Doch er hat eine wirlich gute Idee und zwar als einziger und ich finde es schade das ihm die chance ins Finale zu kommen durch diese Manipulation genommen wird. Und das Pröll persönlich in der Juri sitzt sagt ja auch alles….. Frechheit.
Wegen der Zeitinvestition, das war eine gute Entscheidung. Ein versierter Anwender könnte mit einigen Tools auch eine automatische Routine einrichten, mit dem einige tausend Klicks pro Tag generierbar wären. Das “Captcha” ist da auch kein wirkliches Hindernis, zumindest nicht in der vorliegenden “Stärke”. Ich vermute aber, das hat sich niemand wirklich angetan, sondern eher fleißig geklickt. Ich hörte auch, Klicks für Online- Votings gäbe es auch in den Weiten des Webs zu kaufen. Ob automatisiert oder durch fleißige Hände, ist durch die Globalisierung wohl kein Problem.
Zum zweiten Absatz meine Zustimmung. Ich würde auch sagen, obwohl es nur ein PR-Gag ist, ist es sehr unklug, das alles nicht von einer unabhängigen Seite und unanfechtbarer durchführen zu lassen. Eine schiefe Optik ist so garantiert.
Jetzt am Ende des Votings Bewerber zu ermahnen oder vielleicht auch auszuschließen, die warum auch immer, sehr flott (mit und ohne “Stufen”) unterwegs waren, ist ein zweischneidiges Schwert. Das Problem hat das System selber verursacht.
Ich hab mal selber einige Versuche angestellt, es aber nur mit Cookie-Löschen nicht geschafft, mehrmals zu voten. Offenbar wird das auf die IP-Adresse beschränkt. Oder hab ich da was übersehen?
Ja, es wird auf die IP-Adresse geprüft, geht aber interessanter Weise trotzdem mehrmals am Tag, da dürfte also ein Timer nach einigen Stunden ablaufen. Das mit dem Checken auf IP-Adresse hat den Nachteil, dass z.B. mehrere Nutzer eines Multiuser-Anschlusses (z.B. am ADSL-Router im Heimnetz oder Standleitung in einem Firmennetz) insgesamt auch nur einmal (bzw. einige Male) pro Tag voten können. Mehrere User an einem Standort sind also gegenüber Single-Usern benachteiligt.
Wenn verschiedene IP’s (z.B. durch dynamische Zuteilung seitens des Providers, o.ä.) verwendet werden, ist die “Kontrolle” auch schon “umgangen”. Es gibt da mehrere Möglichkeiten (wohlgemerkt: ohne irgendwelche Gesetze zu brechen oder geschützte Zonen zu hacken). Ich möchte hier aber keine Anleitungen geben.
Ein Votingsystem mit Registrierung oder zumindest eine namentliche Unterstützerliste mit Verfikation wäre besser gewesen, weil es gleiche(re) Chancen gäbe. So haben aber Menschen mit mehr Kenntnissen auch mehr Möglichkeiten. Ob sie das nützen oder nicht, ist eine andere Sache.
Blinde Menschen waren auch bis vor einigen Tagen vom Voting ausgeschlossen, das wurde aber (etwas spät) behoben.
Der beste Beweis, dass die angeblich verdächtigen Stimmzuwächse (100 Stimmen pro Stunde und mehr) nicht durch Cheating kommen, wenn in über 2 Stunden gerade einmal 40 Votes möglich sind, oder?
Das kann ich so nicht bestätigen, denn nebenbei schrieb ich die Notizen auf Facebook, lud die Screenshots hoch und verdrückte eine Jause. Der Server hatte ausserdem extrem lange Responsezeiten und war für 20 Minuten gar nicht erreichbar.
Unter idealen Bedingungen würde ich mit meiner Methode etwa bis zu 100 Votings pro Stunde schaffen. Den Beweis bleibe ich aber gerne schuldig, weil mir das nicht mehr wichtig ist. Es gibt ja auch noch andere Methoden und zwei bis drei CheaterInnen oder ein Robot schaffen dann locker auch 200-300 Clicks pro Stunde, wie es aus den “Treppen” ersichtlich ist.
Was ich aber bewiesen habe: der/die Nutzniesser muss nicht zwingend mit dem/der CheaterIn etwas zu tun haben.
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